Iran – Trotz Alkoholverbot betrunken

Iran – Trotz Alkoholverbot betrunken

Schlagzeilen wie “Studenten werden ausgepeitscht,da sie ihren Abschluss feierten” bringen nicht wirklich ein gutes Licht auf das Land. Aber wie habe ich das Land erlebt…?

 

Die Grenze

“Wow! Wir sind im Iran angekommen! Unser 13tes Land!” machten wir uns bewusst und unterstrichen diesen Satz mit einem lautstarken “High Five”!

Kurz darauf sahen wir uns in dem Grenzgebäude um und sahen die ernsten Blicke auf uns ruhen. Vielleicht nicht der beste Standort um zu jubeln, dachten wir uns schlagartig. Zu unserem überraschen wurden die fremden Gesichter doch sehr freundlich, lächelten uns zu und gaben uns mit einem Nicken zu verstehen damit nun wir an der Reihe waren. Wir zeigten unsere Pässe und mussten unsere Taschen durch einen Scanner a la Flughafen durchlassen. Mit der Angst sie könnten unseren zweiten Pass finden und denken, dass wir Spione sind. Die Beamten behielten ihr lächeln und alles war bestens. Zudem waren sie sehr interessiert mit was für Komponenten unsere Fahrräder ausgerüstet sind und wussten augenscheinlich auch, was eine Rohloff Nabenschaltung ist!
Um im Iran an Geld zu kommen, muss man bares Geld mit sich führen, am besten Dollar oder Euro und diese in die Landeswährung wechseln. Der Grund ist einfach, es gibt keine Geldautomaten die ausländische Bankkarten akzeptieren. Also noch schnell Geld wechseln und ab geht’s in das uns noch unbekannte Land!

Die ersten Kilometer

Wir haben schon mitbekommen, dass die Iraner eine ganz besondere Art von Menschen sind, die Gastfreundschaft sehr zu schätzen wissen, jedoch hätten wir nie im Leben damit gerechnet, wie sehr sie die Gastfreundschaft zu schätzen wissen! Nach ca. 10 km wurden wir das erste Mal angehalten. Wir bekamen Unmengen von Aprikosen geschenkt, als Gegenleistung mussten wir aber natürlich für ein Selfie hinhalten. Und so ging es weiter, wir bekamen sehr viel Obst geschenkt, aus fahrenden Autos gereicht und sehr viele “Daumen hoch”?

– Hähh, da war doch was! Ich hatte gedacht, dass dieses Zeichen im Iran verhöhnt ist und soviel bedeutet wie der Mittelfinger bei uns zu Lande. Hmmm… –

In der Zeit, in dem wir im Iran zu Gast waren,war der Fasten Monat Ramadan. Restaurants haben tagsüber geschlossen und auch auf der Straße sollte man vermeiden sich ein dickes Sandwich zwischen die Zähne zu packen, so heißt es zumindest auf vielen Seiten im Netz der großen Spinne namens Internet.

Immerhin wird man ja als iranischer Staatsbürger gezwungen den islamischen Glauben anzunehmen und damit wird man auch gezwungen den Ramadan zu vollziehen. Was uns zuerst auffiel war, dass trotzdem viele rauchten. Nach und nach bekamen wir alles ins rechte Licht gerückt.

Als Reisender darf man essen und auch trinken. Auch kranke Menschen und schwangere Frauen sollen oder müssen sogar Nahrung zu sich nehmen. Also gut, uns ist es also erlaubt zu essen und zu trinken, sogar in der Öffentlichkeit, jedoch wurden wir trotzdem hin und wieder darauf hingewiesen, dass wir doch bitte nichts konsumieren sollten. Das Witzige war, dass spätestens 10 Sekunden später jemand kam, der demjenigen der uns berichtigen wollte, mit etwas ernsterem Ton anmachte und uns mit einem „Daumen Hoch“ zu verstehen gab, dass wir weiter essen sollen. Schon da bemerkt man die gespaltene Bevölkerung.

Und uns verblüffte noch etwas, sehr viele Menschen sitzen sogar mittags im Park mitten in der Stadt und Picknicken. Die Lösung dieses Rätsels war leicht zu lösen. Wir fanden heraus, dass sehr viele Iraner einfach in die nächste Stadt fahren, sich als Reisende bezeichnen und somit essen dürfen. Clever. Sie dürfen essen, doch vollziehen trotzdem den Ramadan. Natürlich wird auch sehr viel hinter verschlossener Türe konsumiert, es wurde uns gesagt, dass nur etwa 35 % der Bevölkerung wirklich den Ramadan ausübt, wie er vorgeschrieben wird. Eine sehr interessante Zahl, wie ich finde.

Per Geländewagen durch den Iran

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Als wir in Griechenland unterwegs waren, haben wir ein nettes Pärchen aus dem Iran getroffen, die mit einem Geländewagen in Europa unterwegs waren. Damals tauschten wir die Kontakte aus und wir machten uns diesen Kontakt nun zu nutzen! Wir bekamen sofort eine Antwort und kurze Zeit später wurden wir zu einer off-road Tour eingeladen, jedoch zu einem Datum an dem wir unmöglich in Teheran ankommen würden – oder doch nicht unmöglich? Es blieb uns nichts anderes übrig als zu trampen. Und das ging sehr gut im Iran! Wir mussten höchstens eine Stunde auf ein passendes Auto warten, dass in die richtige Richtung fuhr.

Auch wurden wir zu privaten Sightseeing Touren eingeladen wie z.B. Nach Sultanje um eine Moschee anzuschauen. Uns wurde erklärt was die einzelnen Symbole bedeuten und schlussendlich ging es dann noch in die richtige Richtung. Richtung Teheran.

Teheran ist riesig! Mit seinen 15 000 000 Einwohnern in der Region Teherans reiht sich Teheran unter den größten Städten der Welt ein. Netterweise wurden wir 40km vor der Innenstadt und deren zu Hause abgeholt. In der Hauptstadt Irans angekommen ging es am nächsten Tag auch schon gleich los in Richtung Kaspisches Meer, genauer gesagt in die Bergkette zwischen Teheran und dem Meer, das eigentlich ein riesiger See ist.

IMG_2526-300x225 Iran - Trotz Alkoholverbot betrunkenUns wurde im Auto ein Bier angeboten und eine typisch iranische Flasche gereicht die normalerweise Malz Bier mit 0,0% Vol. enthält. Patrick macht also die noch verschlossene 1Liter Flasche auf und nimmt einen großen Schluck. Seine Mimik lässt vermuten, dass er etwas anderes erwartet hatte, als das was er getrunken hat. Ich frage ihn also was los sei und er sagte nur, ich soll doch mal probieren!

Na gut… Probieren schadet nie und neue Sachen auszuprobieren gehört nun seit knapp einem Jahr zu meinen Lieblingsaufgaben.

Also nahm ich einen zarten Schluck aus der Plastikflasche, mit der Erwartung Schnaps oder anderes hochprozentiges die Gurgel herunterbrennen zu lassen. Es war zum Glück nichts Hochprozentiges doch nach Bier hat es auch nicht geschmeckt. Es ist wohl ein Mix aus dem 0,0% Malzbier und Ethanol, so schmeckt es zumindest.

Es stellte sich heraus, dass es natürlich auch im Iran, in dem Alkohol strikt verboten ist, einen großen Alkohol-Schwarzmarkt gibt und man Alkohol in manchen Läden hinter der Theke kaufen kann.

So langsam lernen wir das Land kennen, wie es wirklich ist.

Es geht über Stock und Stein in einen schönen Eiche Wald, in dem wir den Rest der Off Road Gruppe kennenlernten, doch irgendetwas war nicht so, als ich dachte und natürlich viel es uns sofort auf. Keine der Frauen hatte ein Kopftuch auf. Hier oben in den Bergen, mitten im Nirgends, herrschen andere Gesetze als in der iranischen Zivilisation. Es wurde gelacht, es wurde Wodka, Whisky und Bier getrunken. So hab ich mir den Iran nicht vorgestellt!

Herrlich, wie sich mal wieder Vorurteile gegenüber einer anderen Zivilisation in Luft auflösen.

Mit einem kleinen Schwips ging es nun in die gemütliche Hängematte und war gespannt was ich am Tag darauf erleben darf.

Nach einer verhältnismäßig kalten Nacht und ein paar Toasts mit Marmelade, gemischt mit „Breakfast Cream“ ging es weiter bis zum Gipfel worauf sich ein kleines Dorf befand.

– Zur Erklärung: Breakfast Cream ist nichts anderes als geschlagene Sahne oder wie der Österreicher sagen würde „ Schlagoberst“. Sie ist nur etwas fester und in kleinen Tetra Packs verpackt. Die Iraner lieben ihre Breakfast Cream!-

Erst genossen wir die unglaubliche Aussicht und das Schauspiel mit Wolken und Sonne, dass sich uns bot. Danach begutachteten wir die Höhle, die auch im höchsten Sommer und bei einer Bullenhitze so kalt ist, dass in der Höhle das Nass zu Eis wird. Als ich mich umsah, bemerkte ich zwei Einwohner, die riesige Eisblöcke mit sich herumschleppten. Aber wozu soll das gut sein? Ach, natürlich… Trinkwassergewinnung!

Um den Tag perfekt zu machen gingen wir Abends noch etwas in einem Restaurant, das unseren Gastgebern schon sehr gut bekannt war, essen. Patrick und ich sitzen einfach nur da, als Ella die Bestellung aufgab. Es war ein Festmahl! Die iranische Küche hat richtig was zu bieten, auch für uns als Vegetarier ist immer was leckeres dabei. Als wir uns schon über das Essen hermachten, fragte uns der Besitzer ob wir Alkohol trinken wollen, wir verneinten erst einmal, da wir dachten es würde wieder gepanschtes Malzbier geben. Uns wurde jedoch Wein angeboten und da konnten wir einfach nicht ablehnen. Er sprang sofort auf und kam ein paar Sekunden wieder zurück. Mit einer Sprite Dose. Eine noch geschlossene, original aussehende Sprite Dose! Wir dachten erst er will uns verarschen, doch als er die Dose aufmachte und uns ein wenig der roten Flüssigkeit eingoss, da staunten wir nicht schlecht. Sehr raffiniert.

Auf dem Weg nach Teheran warf ich mal die Frage in die Runde, weshalb uns so viele Iraner den „Wichser“ zeigen oder besser gesagt, uns den Daumen nach oben gerichtet entgegen strecken. Es brach Gelächter aus und ein großes Plakat auf der Autobahn beantwortete im selben Moment meine Frage. Ein großes Plakat, auf dem ein Mann abgebildet ist, der allen Menschen die auf der Autobahn fahren den Wichser zeigt. Nein, das kann nicht sein und schon gar nicht im Iran. Wie überall auf der Welt wird auch der Iran immer mehr Multikulti und nimmt westliche Dinge, wie z. B. das Zeichen für „Super“ , in seinen Alltag mit auf. Dann hätte ich mir also damals in Istanbul keine Sorgen machen müssen, als ich auf der iranischen Botschaft quasi mit dem „Wichser“ umher gewedelt hab, das Visum nicht zu bekommen.

 

Beruhigenden Gras im Iran

Zurück in Teheran wollten wir unsere Gastgeber erstmal nicht mehr belästigen und gingen zu einem Couchsurfing Host, der uns netterweise ziemlich spontan aufnehmen konnte. Und wieder mal war ich baff. Unser Host war eine eher rebellische Iranerin, die nichts davon hielt den ganzen Tag mit einem Kopftuch und total verschleiert rum zu laufen. Und was lag auf dem Tisch? Marihuana. Das ist natürlich nichts Neues für uns, wir haben auf unserer Reise quasi in jedem Land jemanden getroffen, der in unserer Anwesenheit etwas des beruhigenden Grases geraucht hat, doch im Iran hab ich irgendwie nicht damit gerechnet. Kaum hab ich das Grünzeug entdeckt, macht sich auch schon ein Joint auf den Weg in die Runde ihrer mittlerweile eingetroffenen iranischen Freunden und uns. Als ich nach der Strafe fragte, was passieren würde, wenn man jemanden mit Marihuana erwischt, lachen sie nur und sagen, dass die Strafe nicht sehr hoch wäre, auf jeden Fall nicht so hoch, wie wenn man mit Alkohol erwischt wird, da im Koran ausdrücklich das Verbot von Alkohol ausgesprochen wird, aber nicht den Konsum von Marihuana.

Planung der Weiterreise

Wir hatten ein kleines Problem bei der Planung der Weiterreise. Das Problem war Turkmenistan. Wir haben von sehr vielen reisenden gehört, dass sie noch nicht einmal dass fünf Tage Transit Visum bekommen haben und da wir uns den Stress bei dieser aussichtslosen Situation ersparen wollten, haben wir ein Ticket nach Dushanbe gebucht.

Spontaner Trip in sandige Hitze

Die letzten Tage durften wir nochmals bei Ella und Mohamed nächtigen. Zwei Tage bevor unser Flug ging, wurden wir Mitternachts gefragt: „Do you wanna go to the desert?“ Ich war schon ziemlich müde und auch noch ziemlich satt vom Abendessen, also lehnte ich erstmal dankend ab. Ach, Moment mal! Sie hat mich gar nicht nach einem Dessert gefragt, sondern ob wir noch in die Wüste wollen! Aber unser Flug ist doch schon übermorgen, wie soll das funktionieren? Uns wurde gesagt, dass wir einfach ein paar Sachen packen sollten und wir schon morgen Abend wieder in Teheran sein würden, wir sollten schnell packen, dass wir zum Sonnenaufgang in der Wüste sein können. Verrückt diese Iraner! 🙂

Der spontane Wüstentrip war die Kirsche auf der Schwarzwälder Kirsch Torte und somit ein würdiger Abschluss unserer wunderbaren Zeit im Iran! Das erste Mal in meinem Leben sah ich wilde Dromedare und Sanddünen. Ich war hin und weg und spielte im wohl größten Sandkasten mit dem inneren Kind, dass mich seit beginn der Reise schon begleitet, mir Abenteuerlust, Begeisterung und so viel Freude schenkt.

Wann hast du das letzte Mal dein inneres Kind zum Vorschein kommen lassen? Glaub mir, es lohnt sich und ist keines Wegs „kindisch“. 😉


 

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